In den von Vereinen und Autoren veröffentlichten Schlucht-Beschreibungen werden z.T. unterschiedliche Bewertungen der Schwierigkeiten von Schluchttouren verwendet. In Laufe der Zeit hat sich jedoch die französische Graduierung durchgesetzt. Bei unseren neuen Topos findet sie Verwendung und ersetzt die eigene, bisher angegebene.

 

Bewertung - Deutscher Canyoning-Verein

Die Schwierigkeitsbewertung basiert auf idealen Wasserständen und kann selbstverständlich auf Veränderungen durch die Kräfte der Natur wie Hochwasser, Baumversperrungen, Beschädigung oder Zuschwemmung von Sicherungen oder Auswaschungen keine Rücksicht nehmen.

  C1 Leichter Wandercanyon mit kurzen Schwimmstrecken bis zu 10 Meter und kurzen Rutschen. Sprünge bis höchstens 1 Meter. Ohne Kletterpassagen. Gehzeiten bis zu 2 Stunden.
  C2 Canyonwanderungen mit Sprüngen bis 3 Meter. Leichtere Kletterstellen. Auch längere Schwimmstrecken bis zu 50 Meter möglich.
  C3 Abseilstellen bis zu 15 Meter (nicht überhängend). Sprünge bis zu 5 Meter Höhe. Kenntnisse im Anbringen von eigenen Sicherungen nötig. Kleinere Abkletterstellen.
  C4 Abseilstellen bis zu 50 Meter. Sprünge bis 8 Meter Höhe. Abkletterstellen. Die Fähigkeit, eigene Sicherungen anzubringen ist erforderlich. Maximal 100 Meter Schwimmen. Gute Seiltechnik.
  C5 Sprünge bis 10 Meter Höhe. Abseilhöhen bis 100 Meter, auch überhängend. Beherrschung der Sicherungstechnik in Zwischenständen. Gute Seiltechnik. Anspruchsvollere Abkletterstellen. Teilweise gefährliche Strömungsverhältnisse.
  C6

Extreme Schwierigkeiten, vor allem wassertechnisch. Abseilhöhen nach oben offen. Perfekte Sicherungstechnik bei Zwischenständen gelegentlich auch nur durch Seilpendeln erreichbar). Hoher Materialaufwand. Sehr lange Gehzeiten, eventuell auch mit Biwaks.

 

 Bewertung - Fédération Francaise de la Montagne et de l'Escalade

   - Associazione Italiana Canyoning

Die Bewertung gilt für einen normalen, niedrigen Wasserstand und bei optimalen Verhältnissen in der besten Jahreszeit. Sie bezieht sich auf eine Gruppe von 5 Personen, die den technischen Schwierigkeiten des unbekannten Canyons (a vista) gewachsen sind. Es wird dabei die beste und sicherste Fortbewegung und Überwindung der Stellen gewählt. Individuelles Suchen von Schwierigkeiten wird nicht in der Bewertung berücksichtigt.

Die Canyons werden wie folgt bewertet:

  • Der Buchstabe „v“, gefolgt von einer Ziffer zwischen 1 und 7 (die Bewertung nach oben ist offen) beschreibt die Schwierigkeit bezüglich Vertikalität.
  • Der Buchstabe „a“, gefolgt von einer Ziffer zwischen 1 und 7 (die Bewertung nach oben ist offen) beschreibt die Schwierigkeit bezüglich Aquatik.
  • Eine römische Ziffer zwischen I und VI (die Bewertung nach oben ist offen) weist auf das Gesamtrisiko und die Gesamtdauer der Tour hin.

Beispiele für Canyon-Bewertungen sind daher: v2 a3 III, oder v5 a6 III, oder v4 a5 III

Die Erfüllung eines Kriteriums, je nach Spalte, bestimmt die Zugehörigkeit zu einer Schwierigkeitskategorie.

Die Tatsache, dass man ein Hindernis umgeht oder eine spezielle Technik anwendet (z.B. Seilbahn) kann bei einer Beschreibung zu einer niedrigeren Bewertung führen. Sprünge sind generell als fakultativ zu betrachten.

Schwierig-keitsgrad

v:   Vertikalität  

a:   Aquatik

1

sehr leicht

Keine Abseilstelle, normalerweise kein Seil nötig. Keine Kletterstellen.

Meist kein Wasser oder Gehen im ruhigen Wasser. Schwimmstrecken nur fakultativ.

2

leicht

Einfache, leicht zugängliche Abseilstellen bis max. 10 m. Einfache, nicht ausgesetzte Kletterstellen.

Schwimmstrecken bis max. 10 m in ruhigem Wasser. Einfache Sprünge bis max. 3 m. Kurze, leicht geneigte Rutschen.

3

wenig schwierig

Vertikale mit geringem Wasserlauf. Einfache, leicht zugängliche, von einander unabhängige Abseilstellen bis max. 30 m mit Standplätzen, die für Gruppen geeignet sind. Einfache Handläufe nötig. Technischer Abstieg, der Aufmerksamkeit erfordert (gute Tritttechnik; Routenwahl im glitschigen oder instabilen oder holprigen Gelände oder direkt im Wasserlauf). Nicht ausgesetzte Kletterstellen bis max. 3c, die aber eventuell ein Seil erfordern.

Schwimmstrecken bis max. 30 m in ruhigem Wasser. Abstieg in geringem Wasserlauf. Einfache Sprünge zwischen 3 m und 5 m. Lange, mittel geneigte Rutschen.

4

 ziemlich schwierig

Vertikale mit geringem oder mittlerem Wasserlauf, dessen Druck bereits Probleme mit Gleichgewicht und bei einem eventuellen Blockieren mit sich bringen könnte. Schwierig zugängliche und/oder über 30 m lange Abseilstellen. Abseilen mit bequemen Zwischenständen. Technik zur Vermeidung der Seilreibung nötig. Komplizierte Handläufe nötig, Abseilbahn oder Ankunftsstellen nicht vom Standplatz ersichtlich. Ankunft in tiefem Wasserbecken. Kletterstellen bis 4c oder A0, ausgesetzt und/oder Seilsicherungstechnik nötig.

Langer Aufenthalt im Wasser mit hohem Kalorienverlust. Mittlerer Wasserlauf. Einfache Sprünge zwischen 5 m und 8 m. Komplizierte Sprünge mit Absprung- und  Landeschwierigkeiten bis max. 5 m. Weite Siphons bis max.1 m in der Länge und/oder Tiefe. Sehr lange oder sehr steile Rutschen.

5

schwierig

Vertikale mit mittlerem oder starkem Wasserlauf. Die  Überwindung ist schwierig und erfordert richtiges Einschätzen der Abseilbahn und das Halten des Gleichgewichts. Abseilen mit ausgesetzten Zwischenständen. Überwinden von Wasserbecken während des Abseilens. Glitschige Abseilfläche oder Präsenz von Hindernissen während des Abseilens. Schwierige Seilabziehmanöver (in Schwimmposition ..). Ausgesetzte Kletterstellen bis 5C oder A1.

Langer Aufenthalt im Wasser mit sehr hohem Kalorienverlust. Abstieg in ziemlich starkem Wasserlauf; Probleme beim Rein- und Rausschwimmen aus starker Strömung und mit dem Überwinden von Prallwasser. Wildwasserprobleme (Walzen, Strudel, Wellen, Wirbel, Gegenströmungen…), die das Blockieren eines Canyonisten verursachen könnten. Einfache Sprünge zwischen 8 m und 10 m. Komplizierte Sprünge mit Absprung- und Landeschwierigkeiten zwischen 5 m und 8 m. Weite Siphons bis max. 2 m in der Länge und/oder Tiefe.

6

sehr schwierig,  ausgesetzt

Vertikale mit starkem oder sehr starkem Wasserlauf. Lange Wasserfälle. Schwierige Überwindung der Abseilstelle; richtiges Einschätzen der Abseilbahn und absolute Gleichgewichtsbeherrschung erforderlich. Einrichten von schwierigen Standplätzen: heikles Anwenden von natürlichen Fixpunkten (Klemmblöcke…). Schwer zugängliche Abseilstelle (komplizierte Handläufe nötig). Ausgesetzte Kletterstellen bis max. 6a oder A2. Sehr glitsche Abseilfläche oder sehr instabil. Sehr turbulente Ankunftsbecken.

Abstieg in starkem Wasserlauf, der große Schwierigkeiten beim Rein- und Rausschwimmen aus starker Strömung und mit dem Überwinden von Prallwasser, mit sich bringt. Ausgeprägte Wildwasserprobleme (Walzen, Strudel, Wellen, Wirbel, Gegenströmungen…), die das längere Blockieren eines Canyonisten verursachen können. Einfache Sprünge zwischen 10 m und 14 m. Komplizierte Sprünge mit Absprung- und  Landeschwierigkeiten zwischen 8 m und 10 m. Weite Siphons bis max. 3 m in der Länge und/oder Tiefe. Technisch anspruchsvolle Siphons bis max. 1 m mit eventueller Strömung.

7

extrem schwierig,

sehr ausgesetzt

Vertikale mit starkem bis sehr starkem Wasserlauf. Sehr lange Wasserfälle. Sehr schwierige Überwindung der Abseilstelle; exaktes Einschätzen der Abseilbahn, perfektes Seilhandling und absolute Gleichgewichtsbeherrschung unbedingt erforderlich. Ausgesetzte Kletterstellen schwieriger als 6a oder A2. Sehr eingeschränkte Sichtweite und viele Hindernisse beim Abseilen. Während des Abseilens oder bei der Ankunft äußerst turbulente Wasserbecken. Kontrolle der Atemtechnik, Tauchstellen.

Abstieg in starkem Wasserlauf der extreme Schwierigkeiten beim Rein- und Rausschwimmen aus starker Strömung und mit dem Überwinden von Prallwasser, mit sich bringt. Sehr ausgeprägte Wildwasserprobleme (Walzen, Strudel, Wellen, Wirbel, Gegenströmungen…), die das längere Blockieren eines Canyonisten verursachen können. Einfache Sprünge bis max. 14 m. Komplizierte Sprünge mit Absprung- u. Landeschwierigkeiten höher als 10 m. Siphons über 3 m in der Länge und/oder Tiefe. Technisch anspruchsvolle Siphons über 1 m mit Strömung.

Gesamtrisiko und Dauer

Achtung: diese Angaben müssen jeweils auf die Gruppengröße und Gruppenzusammensetzung abgestimmt werden.

Legende:

  • HW = Erreichung von hochwassergeschützten Stellen
  • Flucht = Fluchtmöglichkeiten
  • Dauer = Gesamtdauer (Zustieg, Abstieg, Rückweg) 

Gesamtrisiko

HW

Flucht

Dauer

I

einfach und immer

einfach und auf der ganzen Länge der Schlucht

max. 2 Std.

II

innerhalb von 15 Min. im Abstieg

innerhalb von ½ Std. im Abstieg

zwischen 2 und 4 Std.

III

innerhalb von 30 Min. im Abstieg

innerhalb von 1 Std. im Abstieg

zwischen 4 und 8 Std.

IV

innerhalb von 1 Std. im Abstieg

innerhalb von 2 Std. im Abstieg

zwischen 8 Std. oder einen ganzen Tag

V

innerhalb von 2 Std. im Abstieg

innerhalb von 4 Std. im Abstieg

zwischen einem oder zwei Tagen

VI

nach mehr als 2 Std. im Abstieg

nach mehr als 4 Std. im Abstieg

über zwei Tage