“Welcome to Jordan” hallten die letzten Worte des Piloten durchs Flugzeug, als wir, Andreas, Baja, Eddy, Reinhard, Wolfgang und ich um ein Uhr morgens, nach gut 10stündiger Reise, endlich am Flughafen in Aman gelandet sind. Es vergeht eine weitere Stunde, bis wir die Einreiseformalitäten, mit Scann des Reisepasses, Erstellung eines aktuellen Digitalbildes, Zahlung der Einreisegebühr und der bangen Frage, wie wir, um diese nachtschlafende Zeit, an unsere beiden gemieteten Fahrzeuge kommen sollen, hinter uns haben.

übernächtigte Canyonisten, ihres wohlverdienten Urlaubsschlafes beraubt, ratlos um die Autos herum. Man beschloss, sich erst einmal um ein Frühstück zu kümmern. Der Zug durch die Gemeinde endete in der Erkenntnis, dass um diese Zeit noch alle Gehsteige nach oben geklappt sind. Während wir noch ratlos in der Gegend stehen, öffnet ein geschäftstüchtiger Supermarktbesitzer seinen Laden und bietet uns ein Glas Tee an, was wir dankend annehmen.

Andrang zum Morgentee

Hier erfahren wir auch, das unser anvisiertes „Dream Hotel“ geschlossen und nur das etwas weiter entfernte „Towers Castle“ offen hat. Die Idee, bei ihm auch gleich noch die Basis an Trinkwasservorrat anzulegen, büßen wir, wie sich später herausstellt, mit dem teuersten Wasser des ganzen Urlaubs. Vielleicht war ja auch nur der einberechnete Tee der Preistreiber? etwas Graffl...

Doch alles klappt reibungslos und so düsen wir, nach dem sich die, in eigentlich jedem Canyoningurlaub immer wieder bang gestellte Frage „wie bekommen wir unser ganzes Graffl nur in das kleine Auto?“ wie der gordischer Knoten gelöst hat, über den Dessert Highway in Richtung Al-Karak, wo Reinhard uns ein Hotel als Stützpunkt für die Touren der nächsten Tage gewählt hat. Da wir noch etwas früh dran sind, wird beschlossen, noch eine Mütze Schlaf zu nehmen um fit und frei für die vielen neuen Eindrücke zu sein. Der zentrale Platz neben der Polizeistation erschien uns geeignet, da lt. Reinhard das Hotel gleich neben an sei. Was wir natürlich nicht gesehen und bedacht hatten, war die Moschee und das orientübliche Ritual, um 5 Uhr morgens die Gläubigen und alle anderen gleich mit, Lautsprecher-verstärkt durch den Muezin zum Morgengebet zurufen. So standen kurz nach fünf ein paar völlig zerknautschte und

morgendlicher Blick über den Wadi Karak

Frisch gestärkt, erkunden wir die Oberstadt um die Polizeistation und genießen den Ausblick von der Burgmauer Richtung Totes Meer. Gegen acht bemerken wir etwas Aktivität am Hotel, checken

sogleich ein und sitzen wenig später beim Frühstück
mit leckeren Fladenbroten, Butter und Marmelade in sonnigen „Foyer“. So gestärkt, stellt sich nach kurzer Zeit die allmorgendliche „was“- Frage: was für einen der vielen Canyons wollen wir heute machen? Reinhard empfiehlt zum Anfang den Ibn Hammad. Tatendurstig wird die Ausrüstung gepackt und ins Auto verladen. Ein Blick ins Topobuch und in die Karte und schon geht’s los. Nach kurzer Anfahrt über die Hochfläche, vorbei an kleinen Dörfern und noch unbestellten Feldern, tieft sich der Canyon langsam ein. Die Anfangs grüne Landschaft wird immer karger. Nur hie und da die grünen Tupfen bewässerter Felder. Je tiefer wir in den Canyon kommen, desto öfter fallen die kleinen grünen Inseln mit Schilf und Palmen rund um aus dem Hang tretende Quellen auf. Wir halten ein paar mal an, lassen die Landschaft auf uns wirken oder beobachten gespannt eine Familie mit Lastwagen und Zelt am Wasser, für die Frauen (?), die wahrscheinlich einen Bade- und Picknikausflug unternehmen.

tritten eher heiß. So hab ich mir Canyoning immer vorgestellt! Nach kurzer Laufstrecke entwickelt sich der Bach langsam zum Canyon: eng und hoch. Die Quellen am Rande sind reich an Mineralien und so wachsen an einigen Stellen des Canyons, beschleunigt durch Moose, Farne, Palmen und andere Pflanzen, die Wände langsam zusammen. Unterwegs treffen wir eine Vierergruppe junger Jordanier die von Baja so begeistert sind, dass sie ihr nicht mehr von der Pelle rücken. Nach einer guten Stunde weitet sich das Wadi wieder. Wir gehen einfach weiter in der Hoffnung, dass sie irgendwann von uns ablassen

warm und grün: einfach schön

mögen. Doch da Freitag ist, haben die Jungs viel Zeit. Unentschlossen wie wir uns verhalten sollen, fassen wir den Entschluss, entgegen ihrer Warnungen einen kleinen, plätschernden Seitencanyon hinaufzuklettern. Unterhalb eines Wasserfalls genießen wir die Idylle ringsum und machen ein Nickerchen. Freibad im Ibn Hammad

Am Ende der geteerten Straße, gegenüber des Freibades, parken wir unsere beiden Wagen. Beim Umziehen stellt sich die Frage, was denn nun die geeignete Ausrüstung für Canyoning in Jordanien Ende März ist: leichter Neo, Treckinghose und Fleecehemd oder Radlhose mit T-Shirt? Ich entscheide mich für letzteres und liege nicht verkehrt. Die Lufttemperaturen unter dem blauen, wolkenlosen Himmel sind, wie das uns umfliessende Wasser, angenehm warm, an den Quellaus-

Der Rückweg durch die jetzt noch sonnigere Schlucht ist viel zu schnell zu Ende. Während wir uns umziehen, macht Wolfgang einen fotografischen Abstecher ins Freiband. Auf der Rückfahrt entdecken wir einen Imbiss, der von da an zu unserem bevorzugten Nachcanyonhighlight wird. Tag für Tag werden die vertilgten Portionen üppiger, variantenreicher und ausgefallener. Die nicht vorhandene Karte wird durch einen Blick auf die Nachbarteller und anschließendes Deuten bei der Bestellung auf diese, kompensiert. Wieder im

Hotel kreisen die Kameras bei beim Wetterbericht
und einer Tasse Tee unseres ägyptischen Vermieters und wir beratschlagen den weiteren Ablauf. Der mittlere Teil des El Hidan soll es sein. Um zum Einstieg zu kommen, musste die gut 3,5km breite ~500m tiefe Schlucht des Wadi Mujib auf dem Kingshighway in 14 Kehren überwunden werden. An dem Aussichtspunkt auf der Nordseite hat man einen tollen Blick auf diese riesige Schlucht.

schen Schlucht, nur unterbrochen von einem 8 m Abseiler, bis zu derem abrupten Ende an einem ~80m hohen Wasserfall, das auch das Ende des Lavastromes darstellte. Dahinter öffnete sich kurz ein kleiner Talkessel, woraus der Hidan, nun in einer schmalen hohen Schlucht aus rötlichem Sandstein verschwand.

Wadi Mujib

Wenige km weiter erreichten wir den El Hidan. Orografisch links gings auf einer anfangs guten Teerstraße, später holprigen Piste in das sich immer mehr weitende und eintiefende Tal hinunter. Waren anfangs nur Kalk und Sandsteine das prägende Element der Schluchtwände, so gingen diese später in Basalt über. Vor Urzeiten hatte ein Vulkanausbruch dieses Schichtpaket geschaffen, das später wieder mit Sedimenten überdeckt wurde. Bei einer Quelle, wo schon ein paar Autos waren, parkten wir. In kurzer Wanderung erreichten wir das Bachbett. Überall lagen große Blöcke aus dunkelgrauen Basalt, hellem Kalk oder rötlichem Sandstein, was einen schönen Kontrast ergab. Der Hidan hatte sich schon ein paar km vorher in den Basalt eingetieft. Wir folgten nun der phantasti-

...dann im Sandstein

Sehnsüchtig blickten wir die Stufe hinab, wohl wissend, dass ab hier, ohne langem Seil, das in Karak lag, verbunden mit sehr viel Logistik und Zeitaufwand zum Autoumsetzen oder Biwakieren, nichts zu holen ist. Mittlerweile habe ich in Erfahrung gebracht, dass angeblich nur ein 20m Seil, bei einer Umgehung rechts, benötigt wird.

trotz Lachen, ganz schön platt... Hidan: erst im Basalt...

Nach einer Pause traten wir den nicht minder orientierungstechnisch kniffligen Rückweg an. Ein

GPS hätte hier gute Dienste erwiesen. Doch auch
ohne sind wir, nach einigem Auf und Ab, wohlbehalten, aber doch ganz schön fertig, an den Autos angekommen. Daraufhin wird beschlossen, den nächsten Tag etwas langsamer, mit der Buchung des unteren Wadi Mujib, der, da er in einem Naturschutzgebiet liegt nur als geführte Tour begangen werden kann, etwas Sightseeing und einem Badetag in den 65°C heißen Quellen des unteren Zarqua Ma’in, angehen zu wollen. Auf der Fahrt hinunter ans Tote Meer durchfahren wir verschiedene Vegetationszonen: oben auf der Hochfläche auf ~1000m , wo auch die meisten Jordanier seit alters her leben, die größeren Städte sind, es im Frühjahr ab und an regnet und daher Landwirtschaft betrieben werden kann, herrschen gemäßigte Temperaturen: Ende März so 0° -10° nachts und 10° – 20° tagsüber. Am Toten Meer, auf –400m ist es dagegen eher subtropisch feucht und bis 30° warm. Hier der Anbau ist nur mit Bewässerung möglich und die Gegend eher wüstenhaft. Entlang des Toten Meeres kommen wir an vielen Schluchten vorbei, deren Wasser unten vollständig abgeleitet wird und sich sicherlich noch die eine oder andere interessante Canyoningtour verbirgt.

fliktbewältigung, wegen dem anscheinend zu freizügigen Auftreten einer jordanischen (?) Familie. Später wird spontan ein Schwimmversuch im Toten Meer unternommen und auf der Heimfahrt fleißig die, durch Schattenspiele aufziehender Wolken interessanter gewordene Landschaft, abgelichtet. Tags darauf erkunden wir einen eingezäunten, aber anscheinend von Einheimischen schon immer fürs Picknik genutzten Canyon, bei dem aber das Weiterkommen oben durch einen, von einem Erdrutsch angestauten See vereitelt wird. Irgendwie haben einige der Beteiligten keine Lust, die ~600m durch das doch recht kalte Wasser bis zum Anfang der, in dunkelrotem Sandstein eingeschnittenen, engen Schlucht, zu schwimmen. Wir einigen uns darauf, eine gestern beim Fotoshooting entdeckte Schlucht zu erkunden.

Landschaft an der SO-Seite des Toten Meeres

Bei einem Wasserbecken geht’s, entlang der Zuflußrinne übers Wehr hinein. Wir überholen eine Familie mit kleinen Kindern, lichten eine Süßwasserkrabbe und einen Laubfrosch ab, kommen an einer, zu einem Badepool aufgestauten heißen Quelle vorbei, um dann, nach einem weitern Kilometer in einem engen Schluchtteil, an der Überwindung eines 3,5m hohen Wasserfalls zu scheitern. Bei der Suche nach der Umklettermöglichkeit, fallen mir, die von Reinhard auf unserer Webseite beschiebenen, Orchideen auf.

Badespaß unterm heißen Wasserfall

Für den Einlass zum öffentlichen Teil der Ma’in Quellen sind 10JD zu berappen. Die weiter unten befindlichen sind nur den Hotelgästen zugänglich. Wir lassens uns in heißen Becken gut gehen, unter den herab prasselnden Wassern durchkneten, probieren eine natürliche Dampfgrotte aus und amüsieren uns über die orientalische Art der Kon-

Epipactis veratrifolia

Ein Anruf bestätigt für Montag die Mujib-Tour. Als
wir am Informationszentrum ankommen, findet sich auch noch ein junges Touristenpärchen ein, das mit uns geht. Die beiden haben noch nie Canyoning gemacht und sind etwas verwundert, ob der Ausrüstung die jeder von uns an und dabei hat: vom Guide werden ihnen leichte Sachen und Turnschuhe oder Tevas empfohlen, während jeder von uns knöchelhohe Schuhe über Neosocken trägt, ganz zu schweigen, von den Neoprenhosen/anzügen, Helmen und Gurten die in den Rucksäcken stecken. Ein paar Autominuten südlich ist der Ausgangspunkt unserer Tour. Es geht entlang einer ausgewaschenen Piste etwa 250 hm über die alten Sedimente eines verschütteten Tales (Urmujib ?) hinauf und bietet dort oben einen grandiosen Ausblick übers Meer und das Wadi Mujib.

selbstständig abseilen zu dürfen. Die beiden Touris werden abgelassen.

Wolfgang am Mujibfall

...die bunte Truppe; Blick übers Meer nach Israel

Kurzweilig geht es hinab zur letzten Engstelle des Mujib vor seiner Mündung ins Tote Meer. Dort wandern wir aber flussaufwärts bis zum Zufluß des Hidan, dessen schmaler Schlucht wir, nach Anlegen der Neohosen und Helme bis zu einem unüberwindlichen Wasserfall folgen. Am Schluchtausgang wird vom Guide erst einmal eine längere Pause verordnet, die Eddy, wie sooft, zu einem Schläfchen nutzt.

Die Tour schließt mit dem ~1km langen impossanten, in dunkelrotem Sandstein verlaufenden Engteil des Mujibs, die als Höhepunkt einen 25m WSF bietet. Durch längere Überzeugungsarbeit, unterstützt von den Bildern vorangegangener Touren, können wir den Guide überzeugen,

Auf den letzten Metern, treffen wir noch auf zwei XXXXL-Touristinnen, die von unten in die Schlucht wandern. Tags darauf seht eine Begehung zweier kurzer Teilstücke des Wadi Hasa auf dem Programm. Dieser hat auf einem Teilstück zweimal mächtige Bänke weißen Kalks erodiert und dabei schöne Formen geschaffen. Beim Rückweg wird noch ein kleiner Seitencanyon, der beim Überqueren durch seine hohe Wassertemperatur auffiel, erkundet und seine Pool zu einem spontanen Kurzbad genutzt.

geschaft is...

Da auch etwas Kultur in diesem Urlaub eingeplant war, wurde die restliche Zeit mit dem Besuch der

Burg in Karak, der Materialpflege und Vorpacken,
sowie einem stärkenden Einfall ins Restaurant genutzt, um am nächsten Morgen frühzeitig am neuen Quartier, in Petra sein zu können. Bevor wir die Reise antraten, statteten wir der örtlichen Polizei einen Besuch ab, um event. unserer, alle 14 Tage zu erneuernden Meldepflicht, nachzukommen. Der Chef des Hauses, der schon Dienst im Kosovo geleistet hat, lud uns auf einen Tee in sein Büro ein, und, nach einigen Telefonaten, unterbrochen von einem kurzem Plausch über die Hintergründe unserer Reise und einem weiteren Tee, erfuhren wir, dass, dies in unserem Fall unnötig sei.

Der Besuch der alten Naabtäerstadt Petra am folgenden Tag verzögerte sich kurz, da ein Reifen einen leichten Plattfuss zeigte. Eine örtliche Werkstadt fackelte nicht lange, fand das Loch durch Eintauchen des Reifens in eine alte Badewanne und „flickte“ ihn mit Hilfe einer überdimensionalen Stopfnadel, durch die ein Gummifaden durchs Loch ins Innere des Reifens eingeführt wurde. Passt, wackelt und hält Luft! Bei uns undenkbar! Der Besuch von Petra wird abgekürzt: endloser Hatsch in praller Sonne, architektonische und bildhauerische Meisterleistung, ein Muß!

Teetime beim Polizeichef

Die Fahrt auf dem Kingshighway, der sich entlang des Grabenbruchs durch allerlei Städte und Dörfer schlängelt, vermittelte einen guten Eindruck der Landschaft des südlichen Jordaniens. In Petra angekommen wurde erst einmal hart um den Preis und das Hotelzimmer verhandelt, da man uns alle in einen großen Raum mit 4 Betten und einer Schlafkautsch stecken wollte, sich aber dann, auf wundersame weise, doch noch eines freies Zimmers für Baja und Eddy erinnerte. In Zukunft sollte event. doch vorgebucht werden, da dies das einzige günstige Hotel in Petra mit gutem, reichhaltigen Abendbuffet ist.

Tempel oder Grab aus dem Vollen

Nach soviel Geschichte musste ein Canyon her. Der Wadi Musa war ums Eck und mit seinem rosa Granit eine Seltenheit. Durch eine kleine Ungenauigkeit beim Anmarsch landete man zum zweiten mal bei obigem Tempel. Also ein Stück zurück und etwas tiefer am Canonrand entlang. Die ersten Stellen konnten noch abgeklettert werden, doch dann waren Felshacken und Buschwerk zur Seilbefestigung nötig, weiter unten, bei einem Syfon, gar ein schräggestellter Baum und die zupackende Hand des vorher hochgekletterten. Dahinter folgte: die Kür... Der krönende Abschluss, kurz nach dem letzten WSF, war die Frage eines Beduinen, ob wir ein Permit für Petra hätten. Ob er denn eine Ahnung davon hat, was zwischen hier und Petra geboten wird?

idylisches Plätzchen bei Little Petra

Den Nachmittag verwandten wir für eine Erkundung von Little Petra mit Schläfchen, einem Stadtbummel mit Kaffeeklatsch und dem Besuch des Visitorcenters in Petra. Dieser ernüchterte, angesichts des exorbitanten Preises von 42JD, die pro Nase für den Besuch der antiken Stätten abzudrücken waren.

Als nächstes hatten wir das Wadi Ruhm auf unserer Liste. Im Visitorcenter wurde ein Fahrer mit Wagen gebucht, der uns dann den ganzen Tag von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, kreuz und quer, nur unterbrochen von einer Tee- mit Fladenbrotpause, durch die Wüste fuhr: auch ein Muß! Schade das wir nicht in der Wüste übernachteten. Wäre sicher schön gewesen. Ein ander Mal...

Brücke im Wadi Rum

Die Rückfahrt zu unserem Hotel in Al-Karak, verbunden mit einem Imbiss und Stadtrundfahrt in Aquabah, immer dem Abendstern vor Augen, geht, auf der gut ausgebauten Straße am Grund des Grabenbruchs, flott voran. Allerdings ist die nächtliche Begegnung mit dem „unbeleuchteten Grauen der Landstraße“, einem großen Truck mit 3 Anhängern, vollgeladen wahrscheinlich mit Pottasche (Kaliumcarbonat aus einer Fabrik am Toten Meer) schon ein denkwürdiges Ereignis, vor dem sogar im Reiseführer gewarnt wird. Am nächsten Morgen wollen wir den integralen Wadi Hasa angreifen. Die längste Tour, mit 15km, in unserem Urlaub und ein logistisches Problem: da wir dazu gut 9h benötigen werden, ist ein Umsetzen über die bestimmt 80km ausgeschlossen. Auch 6 Leute mit Ausrüstung in einem Auto ist unmöglich. Die Organisation eines Taxis und die Abstimmung, wo wir abzuholen sind, wird wohl an der Sprachbarriere kläglich scheitern. Da auch noch immer nur zwei auf der Versicherungskarte eines Autos eingetragen sind, weil dies 5€ pro Nase & Tag extra kostet, bilden sich folgende Gruppen: Wolfgang, Reinhard und ich Flussabwärts, Andreas, Baja und Eddy –aufwärts. Wir kommen früh los. Finden schnell einen, von unten gut sichtbaren Parkplatz, verstauen jede Menge Wasserflaschen, Brotzeit, Müsliriegel und ein überflüssiges Seil in den zwei Rucksäcken und machen und auf den Weg. Anfangs ist der Hasa offen, dann eng in einen Kalkriegel eingeschnitten. Große Steinblöcke müssen umlaufen, umklettert oder überrutscht werden. Alle Rot- und Braunschattierungen der Felsen, teils als durch ausgefallene Mineralien aus heißen Quellen verursacht, sind zu finden. Der Canyon ist sehr formenreich und bietet viel Abwechslung fürs Auge. Nach 4 Stunden treffen wir die aufsteigende Gruppe und machen gemeinsam eine kurze Rast.

unterer Wadi Hasa

Nach ihren Erzählungen erwartet uns noch der schönere, rotere und engere Teil. Sie sollen Recht behalten. Leider kommt irgendwann der Punkt, an dem auch die schönsten Stellen keinen Reiz mehr auslösen und man sich in Gedanken nur noch am Auto wünscht. Nach 9 Stunden ist endlich das Auto erreicht. Wir sind froh alle heil am Auto angekommen zu sein. Der Wadi Hasa ist für mich die schönste Tour unseres Urlaubs gewesen. Am nächsten Morgen packen wir erneut unsere sieben Sachen, verabschieden uns herzlichst vom Hotelier und seinen zwei Gehilfen und besuchen, unterbrochen von einem Badestopp am Toten Meer am späten Nachmittag eine alte Kreuzritterburg bei Ajlun. Den folgenden Tag verbringen wir Vormittags in den Resten der alten, sehenswerten Römerstadt in Jerash, finden beim Versuch der Umfahrung einer Umleitung das wohl beste Restaurant der Gegend und eine sehr fotogene Mohnblumenwiese in einem Olivenhain, bis wir dann schließlich, nach einer ungewollten Stadtodyssee in Aman, das römische Amphitheater begutachten. Da der Abflug erst gg. 1:30 Uhr geplant ist, haben wir noch jede Menge Zeit, uns einen Stadtteilbasar anzusehen und einen Happen zu essen. Viel zu früh drücken wir, nach Abgabe unserer Autos, die harten, unkomfortablen Bänke des Flughafens. Mit Zwischenstopp in Istanbul landen wir gg. 9:30 Uhr im München. Fazit: toll und sofort wieder!!! Wolfgang Stich